Auf sie mit Gebrüll!

Sönke Wortmann verwandelt eine Grundschule in eine Kampfarena für eitle Eltern.

In der Schule ist es selten lustig. Umso lieber lacht man darüber oder verklärt sie. Ob «Die Feuerzangenbowle» (1944), «Die Lümmel von der ersten Bank» (1967–1972), «Dead Poets Society» (1989), «Dangerous Minds» (1995) oder «Fuck ju, Göhte» (2013) – sie alle erzählen von ­jugendlicher Rebellion im Klassenzimmer, von Mutproben, Ausgestossenen, von heldenhaften Lehrerinnen und hoffnungslosen Schülern.

Jetzt hat Sönke Wortmann mit «Frau Müller muss weg» eine Schulkomödie gedreht, in der kein einziger Schüler vorkommt. Dennoch spielen sie die Hauptrolle: im Leben ihrer hysterischen Eltern. Diese (Anke Engelke, Justus von Dohnányi, Mina Tander, Ken Duken und Alwara Höfels) marschieren eines freien Nachmittags über den Pausenhof und bei der Lehrerin ihres zartfühlenden und ganz sicher hochbegabten Nachwuchses auf.

Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) gefährde mit ihrem strengen Unterrichts­stil den Aufstieg der Kinder ins Gymnasium, finden sie. Und ohne Gymnasium keine ­Zukunft, weiss doch jeder! Frau Müller, souverän im Umgang mit Aufmüpfigen, lässt sich das nicht bieten, klärt die Eltern über die wahren Gesichter ihrer Töchterchen und Söhnchen auf und lässt sie stehen. Als die Eltern sich im fast leeren Schulhaus auf die Suche nach der Frau machen, die wegmuss, finden sie ein wenig zu sich selbst. Für einen Moment zumindest. Und mit auffallend viel Körpereinsatz und noch mehr Geschrei.

Sönke Wortmann macht sich in seiner entwaffnend ehrlichen und sehr lustigen Komödie über Elterntypen lustig, die es in der Realität alle gibt. Er behält aber genügend Respekt vor dem Hartz-IV-Papa, den Strebereltern oder dem rabiaten Karriere-Superweib, dass die Glaubwürdigkeit gerade noch gewahrt und es nie dümmlich wird. Was auch an den Dialogen liegt, die auf das Theaterstück von Lutz Hübner zurück­gehen, auf dem der Film beruht.

Wortmann führt die Eltern, die schlimmer sind als ihre Kinder, als Egoisten vor, deren elterliche Fürsorge viel mehr der Selbstbestätigung als dem Wohl ihrer Kinder dient. Blind für eigenes Versagen, wollen sie eine passionierte Lehrerin für ihr eigenes Versagen als Eltern verantwortlich machen. Frau Müller muss bleiben.

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