Hauptprobe für den nächsten Bond

«Bastille Day» ist ein spannender Actionthriller voller richtig guter Wendungen. Und leider auch von tragischer Aktualität.

Die Ausgangslage könnte von Hitchcock sein: Ein Mann ist zur falschen Zeit am falschen Ort und wird in Ereignisse hineingezogen, die ihn nichts angehen. Michael (Richard Madden), ein amerikanischer Trickdieb in Paris, klaut die Tasche von Zoe (Charlotte Le Bon). In der Tasche steckt, gut getarnt, eine Bombe mit Zeitzünder. Dadurch, dass Michael nimmt, was er brauchen kann, und die Tasche danach nichts ahnend bei einer Metrostation abstellt, löst er eine Kettenreaktion von Ereignissen aus, die sein Leben verändern.

Kaum haben sich sein Schicksal und dasjenige von Zoe ineinander verheddert, prügelt sich noch ein Dritter hinein: Sean Briar (Idris Elba), ein degradierter CIA-Agent, geheimnisvoll und rabiat. Er soll herausfinden, wer die Bombe gelegt hat. Er tappt angenehm lange im Dunkeln, genau wie die französische Polizei.

Der Regisseur James Watkins («The Woman in Black») sagte in einem Interview, er habe einen Film machen wollen, den man sich nach einer Woche Arbeit gern im Kino anschaue. Das löst «Bastille Day» ein. Er ist rasant, erinnert mit seiner dichten Erzählweise an Thriller aus den 70er-Jahren, die originellen Plot-Twists, so übertrieben sie manchmal auch anmuten mögen, halten die Spannung hoch.

Am stärksten sind die Figuren: Zoe, Michael und Briar sind Gauner, trotzdem mag man sie. Und wie sie selber, so weiss man auch als Zuschauer nie recht, wem man trauen kann. Für einen Actionfilm sind sie erfreulich komplex angelegt. Man könnte die 92 Minuten problemlos zur Serie ausbauen. So bekäme Idris Elba, der in der Serie «Luther» hervorragend war, was Tom Hiddleston mit «The Night Manager» hatte: die Gelegenheit, sich beim Publikum um dem Posten als der nächste James Bond zu bewerben. Elba hätte ihn verdient.

 

Erschienen im Züritipp am 23. Juni 2016

(Bild: Guardian.co.uk)

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